Anisschnaps wird rund ums Mittelmeer gerne getrunken. Das Anisaroma ist jedoch hierzulande deutlich weniger beliebt.

Rund ums Mittelmeer lieben die Menschen Alkohol der mit Anis versetzt wurde. Raki, Ouzo, Pastis, Absinth, Sambuca und Anisette sind nur einige davon, aber sie dürften allen ein Begriff sein, und die meisten denken wohl gerade daran, dass sich all diese Spirituosen doch weißlich trüb verfärben, wenn man sie mit Wasser verdünnt. Richtig, das ist eine Gemeinsamkeit all dieser Anisées, wie die Anisschnäpse genannt werden. Man trinkt sie mit Wasser verdünnt, und sie werden dabei trübe.

Das Mittelmeer und typische Aromen

Wenn man ans Mittelmeer denkt, so kommen wohl fast jedem sofort Bilder von wunderbaren Stränden, traumhaften Buchten und azurblauem Wasser in den Sinn. Und wer genau auf seine Sinneseindrücke achtet, wird wohl auch den Geruch nach dem Harz der Pinien und anderen mediterranen Düften wahrnehmen können.

Es ist in diesem typischen mediterranen Duftcocktail aber nicht nur das Pinienharz, das so charakteristisch für die Mittelmeerregion ist. Es sind auch die ätherischen Öle des wilden Thymians, des Oreganos und des Rosmarins, die ihren Beitrag zum Gesamten liefern.

Neben diesen im gesamten Mittelmeerraum auch wild vorkommenden Gewürzen sind auch noch die vielen halbhohen oder niedrigen Sträucher und Gräser der Macchia und Phyrgana an der Zusammenstellung des mediterranen Duftes beteiligt. Mit ihren Harzen und Blättern, die reich an ätherischen Ölen sind, tragen auch sie sehr charakteristische Gerüche zu den Gerüchen des gesamten Mittelmeerraumes bei.

Anis, Gewürz- und Heilpflanze

Aber eine Pflanze, und damit ein sehr charakteristisches Aroma, das auch im ganzen Mittelmeerraum vorkommt, sowohl wild als auch in Kulturen, ist hier noch nicht erwähnt worden: Es ist der Anis, der hier in vielfältiger Form eingesetzt wird.

Anis ist eine Gewürz- aber auch Heilpflanze. Sie gehört biologisch zu den Doldenblütlern. Die Bezeichnung Anis geht auf den griechischen Begriff Anithon für Dill zurück, mit der früher Anis oft verwechselt wurde. Biologisch sind Anis und Dill eng verwandt, beide gehören zur Familie der Doldenblütler.

Anis ist eine einjährige Pflanze, die bis gut einen halben Meter hoh wird. Das Aroma wird von Anethol bestimmt, das mit 90 % der Hauptbestandteil des ätherischen Öls ist. Anis wird heute im deutschsprachigen Gebiet vor allem in Brot und Backwaren verwendet. Weltweit wird Anis jedoch hauptsächlich Spirituosen und Likören beigemischt, wie etwa Sambuca, Rakı, Ouzo, Absinth, Pastis, Aguardiente und Anisette.

Daneben spielt Anis eine Rolle bei der Herstellung von Süßwaren, und zunehmend werden die Werte des Anethol auch wieder in der Kosmetik- und Parfumstoffindustrie geschätzt.

Anis wird bereits seit tausenden von Jahren als Gewürz- und Heilpflanze geschätzt. Ausgrabungen auf Santorin ergaben, dass die Verwendung von Anis im 16. Jahrhundert v. Chr. allgemein üblich war und die alten Kreter würzten ihre Weine neben Koriander, Wacholder, Dost auch mit Anis. Schon im 7. Jahrhundert v. Chr. betrieben Athen und Korinth einen lebhaften Handel mit Duftölen, in denen auch der Anisduft eine Rolle spielte. Pythagoras von Samos bezeichnete um 550 v. Chr. mit Anis gewürztes Brot als köstliche Delikatesse. Bei den Römern hielt der Anis Einzug in die Feinbäckereien; Kuchen, die bei hohen Festlichkeiten gereicht wurden, waren mit Anis-Früchten gewürzt. So berichtet Vergil von Aniskeksen. Bei Ausgrabungen im römischen Kolosseum entdeckte man Anisfrüchte, die die Zuschauer der Gladiatorenkämpfe zwischen den Sitzreihen verloren hatten.

Anis regt die Drüsen des Magen-Darm-Traktes an. Anistee wird daher bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Koliken und Krämpfen eingesetzt. Anis galt in vielen ländlichen Gebieten auch als Aphrodisiakum. Im Herbst, wenn man sich nach der Feldarbeit wieder häuslichen Pflichten zuwandte, bereiteten die Frauen und Mädchen deshalb ihren Männern anishaltige Getränke.

Der Geschmack von Anis wird von vielen Menschen als unangenehm aufdringlich und sehr störend empfunden. Das ist einer der Hauptgründe, warum es speziell in der abendländischen Kultur wenige Rezepte mit Anis gibt. Im Mittelmeerraum wird Anis viel häufiger verwendet, und deshalb sind die Menschen dort von klein an an den Geschmack gewöhnt, und wissen den Anis mit seiner anregenden Wirkung für den Magen daher mehr zu schätzen.

Die Spirituosen mit Anis zeichnen sich ja meist durch die weißliche Eintrübung bei der Mischung mit Wasser aus. Nur bei recht hohem Zuckergehalt oder bei sehr kalten Temperaturen kann diese Eintrübung ausbleiben. Genannt wird diese milchige Eintrübung Louche-Effekt. Es fallen dabei durch die Mischung mit Wasser die ätherischen Öle des Anis in winzigsten Tröpfchen aus. Diese Öle sind zwar in Alkohol löslich, aber nicht in Wasser. Näheres dazu gibt es auf den Seiten zu Raki, Ouzo und Pastis.

Raki, Ouzo und Pastis
Ouzo soll doch einfach griechischer Raki sein. Griechischer Raki ist aber gar kein Ouzo, und mit Anis versetzte Schnäpse sind rund ums Mittelmeer beliebt. Lesen Sie mehr dazu auf kafenio.eu…
Hochprozentiges aus Griechenland: Ouzo, Metaxa und Raki
Was nur wenige wissen: Statistisch gesehen haben Griechen einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch an Whisky als Schotten. Sie trinken sogar mehr Whisky als Ouzo. Lesen Sie mehr dazu auf kafenio.eu…
The Spirit of the Mediterranean
Sit down by the soft waves anywhere from Perpignan eastwards to Tripoli and Beirut, and it tends to be milky emulsions based on this spice that accompany the falling of the hours. The name may change (pastis, ouzo, raki, arak), but the flavour note is constant. Lesen Sie mehr dazu auf www.ft.com…
Anisée in Wikipedia
Anisée ist der Oberbegriff für Spirituosen mit Anisaroma. Er umfasst sowohl ungezuckerte Spirituosen als auch Liköre. Lesen Sie mehr dazu auf de.wikipedia.org…

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