Schau, schau. Das Rettungspaket zur erneuten Rettung Griechenlands ist fixiert, die Steuerzahler müssen noch mehr Geld bereitstellen, auf viel bereits investiertes Geld muss im Zuge des Schuldenschnittes verzichtet werden.

Wenn man schnell zurückdenkt an das erste Rettungspaket für Griechenland, müsste man eigentlich annehmen, dass - all dem damaligen populistischen Gequatsche nach - jetzt überall in Mitteleuropa die Tavernen und anderen griechischen Restaurants brennen müssten.

March 25 - Greece Independence DaySchau, schau. Das Rettungspaket zur erneuten Rettung Griechenlands ist fixiert, die Steuerzahler müssen noch mehr Geld bereitstellen, auf viel bereits investiertes Geld muss im Zuge des Schuldenschnittes verzichtet werden. Aber: Griechenland wird im März nicht zahlungsunfähig.

Wenn man schnell zurückdenkt an das erste Rettungspaket für Griechenland, müsste man eigentlich annehmen, dass – all dem damaligen populistischen Gequatsche nach – jetzt überall in Mitteleuropa die Tavernen und anderen griechischen Restaurants brennen müssten.

Aber da brennt nichts. Was ist da nur los? Sind etwa die Populisten in Ungnade gefallen?

Die schlechte Nachricht: Nein, die populistischen Warmluftproduzenten sind noch immer dick da.

De gute Nachricht: Sogar die als ‘Hetzer’ verrufenen Politiker haben scheinbar realisiert, dass von all dem Geld kein normaler Grieche auf der faulen Haut liegen kann.

Relaxing in SantoriniEs schlägt also die öffentliche europäische Meinung gerade um. Dem Empfinden der Durchschnittseuropäer nach sind nicht mehr die faulen Griechen im Süden Europas an der Misere schuld, sondern der Zorn richtet sich immer mehr gegen die korrupten Politiker, Banker und Lobbyisten im gesamten europäischen Raum.

Sage nur ich das, hier schön privat im Kafenio, wo es keiner erfährt? Nein, auch die Welt schreibt das inzwischen schön öffentlich:
„Es geht hier gar nicht so sehr um das Land. Die Griechen werden von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt – nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen.“

Zum Glück können wir in Europa ausschließen, dass Finanzinstitute und Politik irgendwelche Beziehungen zueinander unterhalten. Wäre das nicht so, würde die einzige mögliche Schlussfolgerung des obigen Zitates sein, dass korrupte Politiker von Banken offensichtlich gut geschmiert werden, um Steuergelder – in solchem wahnwitzigem Umfang – über den Umweg Griechenland an die Banken und Finanzinstitute zu verfrachten, ohne dabei zu helfen, die strukturellen Probleme in Griechenland zu beheben.

Nein, solche Beziehungen zwischen Finanz und Politik zu unterstellen wäre tatsächlich ungeheuerlich, und in der Tat auf Grund der dünnen Beweislage auch recht populistisch. Und dieses Niveau wollen wir im Kafenio ja eigentlich nicht haben. Aber Andeutungen wird man ja noch machen dürfen…

So, Barbaren (also im Sinne des Wortes: Nicht-Griechen) nehmen es den Hellenen (Griechen) nicht mehr persönlich übel, dass Griechenland pleite ist, und als Folge die Griechen oft weder Arbeit noch Holz zum Heizen haben.

Und die Griechen nehmen den Nichteuropäern die barbarischen Unterstellungen, sich persönlich bereichert zu haben, auch nicht mehr wirklich übel. Sagt unter anderem Jörg Krüger von Radio Kreta, mit dem ich gerade telefoniert habe, und der es als Wahlgrieche ja auch wissen muss. Und der hat mich gerade ermahnt doch im Kafenio wieder mal Informationen auszuschenken.

Hiermit erledigt, danke für den Aufruf. Ich erhebe meinen Griechischen Kaffee mit einem Schuss Tsipouro (besser als ein Cafe Frappe gegen Halsweh;-) ) auf das Wohl der vielen Griechen die derzeit weder Lebensqualität noch rosige Zukuntsaussichten haben.

Im Kafenio wars ja zu lesen, in “Steigerungsstufe von Go To Hell!: Go To Hellas!”: Zusammen kann Europa es schaffen, aber wir werden noch immer scheitern, wenn weiterhin die Stärksten im Spiel nur auf den eigenen kurzfristigen Vorteil bedacht sind.
Aber inzwischen beginnt ja die Basis umzudenken, es besteht also noch Hoffnung für Europa, die Europäische Union und den Euro.

Was denkt Ihr Kafeniogäste darüber? Über Feedback würde ich mich freuen…

4 Responses to “Rettungspaket 2.0”

  1. TOMMY says:


    Kalimera Christoph,

    nach Monaten der absoluten Funkstille – jetzt schon zwei Beiträge im Februar…? Von mir aus solltest Du Dich gern weiterhin ordentlich von Radio Kreta gängeln lassen! 😉

    Deinen Spruch mit “alle dem Geld und “auf der faulen Haut” trifft meiner bescheidenen Meinung nach exakt den wunden Punkt: Wem kommen die Unsummen des Rettungsschirmes zugute?

    Ich hatte gestern hier in Berlin ein Treffen mit dem Hotelier Babis aus Chalkdiki. Bei unserem Gespräch ging es natürlich auch um die aktuelle Politik. Gleich zu Beginn freute sich Babis sehr über die neuesten Meldungen, da Griechenland ja jetzt gerettet wäre. Seiner Meinung nach könne es nicht sein, dass die europäischen Politiker Griechenland jetzt noch fallen lassen könnten, nachdem sie die Lebensqualität nahezu aller einfacheren Griechen so arg beschnitten hätten und soviel Geld investiert wurde.
    Er war dann überhaupt nicht amüsiert, dass ich seine Meinung in keinster Weise teilen kann, da keine einzige (mir ersichtliche) Ursache der heutigen Misere beseitigt sei: Die Politiker, die sich vorher schamlos die Taschen gefüllt haben, buhlen noch heute munter um die Macht. Die Bevölkerung hat noch immer keine Lust mit seinen Steuern diese Taschen weiterzufüllen. Der Schuldenschnitt verringert die Schuld- und damit die Zinssatz Griechenlands ein wenig, jedoch waren sich alle Ökonomen, von denen ich die letzten Monate gelesen habe, darüber einig, dass der jetzt verkündete Schnitt so in der Form keinesfalls ausreichen dürfte. Davon mal absehen, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr viele der Anleger das Angebot igonieren werden, weil man vielleicht ja sogar noch einen besseren Schnitt machen könnte. Und genau, wie auch Du es schon angemerkt hast, fließen die “frischen” Milliarden jetzt möglichst rasch wieder raus aus Griechenland, damit ein Haufen ausländischer Aktionäre wieder glücklich sind. Wenn ich nichts übersehen habe, ist nicht einmal ein Bruchteil der 130 Milliarden für irgendwelche Impulse zur Wiederbelebung der griechischen Wirtschaft vorgesehen.

    Alles in Allem bin ich also weiterhin sehr skeptisch, dass sich ein griechischer Staatsbankrott überhaupt noch abwenden lässt. Blöd nur, dass dieser Akt für den Rest unserer EU und unseren Euro ganz sicher der Startschuss des absoluten Super-Gau darstellen würde…

  2. Christoph says:


    Hallo Tommy,

    langfristig gebe ich dir absolut recht. Da schaut’s recht düster für den Euro aus, aber für das Wirtschaftsmodell weltweit und generell.

    Nur denke ich, dass wir von diesem Super-Gau noch ein gutes Stück entfernt sind, und deswegen Griechenland (und die anderen überschuldeten Staaten) noch irgendwie übe die Runden gebracht werden müssen.

    Japan macht es vor, der Rest der Welt zieht nach. Die haben derzeit – laut Wikipedia – um die 190% Staatsverschuldung. Und seit Anfang der 90er-Jahre Deflation. Das heißt, dort wird das Geld mehr wertm, und damit werden die Kredite teurer. Und sind immer schwerer zurückzuzahlen.
    In Japan hat das dazu geführt, dass viele, viele, viel zu viele der privatn Häuselbauer ihre noch nicht abbezahlten Häuser zu Spottpreisen losgeworden sind, eben weil sie die Kredite nicht mehr bedienen konnten. Und wer hat die Häuser alle gekauft? Die die eh schon Geld haben bzw. einfach drucken lassen können: die Banken und Finanzinstitute, und die Superreichen dahinter.

    Und genau dieser Schritt steht uns mit Sicherheit auch noch bevor. Wenn ich einer der Superreichen wäre, würde ich das auch forcieren, gebe ich ehrlich zu. Wie sonst bringe ich mein Vermögen gut durch den Super-Gau?

    Aber so was braucht einige Jahre, bis alle schön abgeerntet werden können. Und genau darum dauert das eben zu lange, um Griechenland – und andere Staaten – jetzt schon sterben zu lassen. Koste es was es wolle…

    Aber wenn die öffentliche Meinung zu schwenken beginnt, sehe ich die Hoffnung, dass es für jetzt ohne schwere soziale Unruhen und ohne viele Tote abgehen kann. Und das wäre definitiv ein Sieg für ganz Europa!

  3. Christoph says:


    Es gibt sie doch noch, die sorgfältig geBILDete Meinung:

    “Wir zahlen und sie bepöbeln uns – Schmeißt die Griechen endlich aus dem Euro!”
    Nachzulesen unter http://www.bild.de/politik/aus......bild.html

  4. Henry says:


    Jetzt mal ernsthaft: Die geBILDete Meinung ist ja allseits bekannt besonders schätzenswert und fundiert gebildet worden. Furchtbar, dass so viele Leser diesen Mist auch noch lesen und das zu allem Überfluss tagtäglich.

    Ich schließe mich in Sachen Griechenland, Finanzkrise etc. euch an. Ich hoffe darauf, dass sich der Unmut in einen friedlichen & weltweiten Protest transformiert. Es bleibt zu hoffen, denn wie man bereits an der Occupy-Bewegung sehen kann, scheinen wir endlich wieder politischer zu werden.!

    Bestens

    Henry

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