Griechenland ist derzeit angesichts der finanziellen Notlage zum Buhmann der EU geworden. Jeder glaubt ungestraft auf Griechenland rumhacken zu dürfen.

Aber warum glaubt denn plötzlich jeder von den Regeln der Moral, Ethik und guten Erziehung befreit worden zu sein, und ganz frei von Kultur über Griechenland reden zu dürfen? Und noch viel wichtiger: Warum haben plötzlichen so viele ansonsten wohl erzogene und kultivierte Menschen das Bedürfnis das zu tun?

Go To Hell!

Port of RethymnoTatsache ist, dass Griechenland schon Hochkultur hatte, als Mitteleuropa noch in der Steinzeit steckte, und – wie griechische Medien als Antwort auf die Provokation des Nachrichtenmagazins Focus – noch Bananen gefressen hat. Tatsache ist auch, dass Griechenland derzeit finanziell mehr Probleme hat, als andere Staaten der EU. Tatsache ist aber auch, dass alle anderen Staaten der EU ebenso finanzielle Probleme haben, nur halt noch nicht aus dem A-Rating der Finanzwelt rausgerutscht sind. Aber recht weit fehlt es bei einigen nicht mehr.

Plötzlich ist jeder Finanzexperte, insbesondere die Redakteure diverser Magazine und Nachrichtenblätter mit fragwürdigem Niveau. Alle wissen plötzlich was Griechenland zu tun hätte, um wieder finanziell gesund zu werden: Inseln verkaufen, etc. etc. etc.
Kurz gesagt: Griechenland soll es so machen wie die “anständigen Staaten” a la Deutschland oder Österreich.

Warum also stürzen sich alle mit ungewohntem Hass auf Griechenland, und beschimpfen und belehren Griechenland, als wäre dort plötzlich etwas anders als es in den letzten Jahren immer gewesen ist? Griechenland ist doch nach wie vor auch 2010 eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen Mitteleuropas.

Go To Hellas!

Athènes - Plaka - 10-08-2008 - 17h31Erst wurden wir armen Bewohner der Welt von sinnlos hohen Spritpreisen getroffen, verursacht von namenlosen Spekulanten. Noch bevor die Erdölprobleme gelöst waren hat uns Bewohner der Welt die Weltwirtschaftskrise getroffen, verursacht von namenlosen Hedgefonds, Banken und sonstigen Finanzinstituten.

Und noch bevor die Weltwirtschaftskrise vorbei ist, wird der europäische Wirtschaftsraum und unser geliebter Euro nach unten gezogen, weil Griechenland das A-Rating verloren hat. Alles was sich da plötzlich verändert hat, ist der die Änderung des Ratings, Griechenland bzw. die Griechen haben nicht plötzlich aufgehört zu arbeiten, oder sonst was. Alles ging den Gang der letzten Jahre weiter in Griechenland. Nur dass jetzt alle Griechen stöhnen unter dem was auf sie zukommt: die Sanierung des Staatshaushaltes.

Aber der Rest Europas hat plötzlich eine andere Situation. Stimmt schon, auch wir alle müssten dringend unsere Staatshaushalte sanieren, aber da wir noch A-Ratings haben, kann das doch auf die nächste Legislaturperiode geschoben werden. Was sich aber geändert hat ist folgendes:

DAS BÖSE HAT JETZT EINEN NAMEN!

Das Böse das uns seit Jahren vor sich hergetrieben hat, hat jetzt einen Namen: Griechenland.

Und das ist doch was der Volksseele gefehlt hat: Ein klares Feindbild, etwas dem man einen Namen geben kann, endlich irgendwas oder irgendwer der die Schuld zu tragen hat. Und wunderbarerweise sind wir bei den anderen, nicht beim Feindbild mit dabei. Juhuuuu, welch noble Entwicklung.

DiamondsJa gut, einerseits werfen wir Griechenland nichts getan zu haben. Statt den Staatshaushalt zu sanieren haben sie falsche Zahlen nach Europa geschickt. Jaaa, es war wohl schon seit 2004 bekannt, dass die Zahlen nicht stimmen können. Aber Griechenland hatte noch das A-Rating, also kann alles auf die nächste Legislaturperiode geschoben werden. Was Griechenland ja auch getan hat: Kaum waren die Wahlen geschlagen ist die Aussichtslosigkeit offensichtlich geworden und die Bombe geplatzt.

Korrupte Regierung? In Griechenland? Nein, wird keiner abstreiten. Erst recht kein Grieche. Aber allein die Bezeichnung “korrupte Regierung” verwundert mich etwas. Heutzutage, wo alle Staaten gegen Staatsschulden kämpfen, wo alle Regierungen ums Überleben und das eigene Leben nach den nächste Wahlen kämpfen, würde es da nicht reichen einfach “Regierung” zu sagen? Und “sehr Regierung” bzw. “wenig Regierung” als kurze Bezeichnung für “sehr korrupt” bzw. “wenig korrupt” zu sagen?

Andererseits werfen wir Griechenland vor, faul zu sein, nur EU-Subventionen zu kassieren, nicht mit dem nötigen Einsatz im gestressten Ringelspiel der produktiven Staaten mitzumachen. Aber haben wir denn das getan, was in einer (europäischen) Gemeinschaft Standard sein sollte? Haben wir je versucht gemeinsam erfolgreich zu sein, oder hat nicht eher jede “Regierung” versucht, den eigenen Profit der Legislaturperiode zu maximieren?

Meine Tochter ist fünf Jahre alt. In ihrer Kindergartengruppe ist auch ein Mädchen mit Down-Syndrom. Was restlos alle Kinder in dieser Kindergartengruppe begriffen haben, ist, dass die Gruppe nur soweit kommt, wie das Mädchen mit DS kommen wird, und fast jeder in der Gruppe ist ganz von sich aus bereit weiter zu helfen, um als Gruppe in der jeweiligen Situation erfolgreich zu sein. Nebenbei ist das kleine Mädchen mit Behinderung das wahrscheinlich fröhlichste und intrigenfreiste Kind in der Gruppe.

Pontikonisi, CorfuDas Kafenio fordert also alle Regierungen Europas ein, mal Integrationsgruppen in Kindergärten zu besuchen, und von den vierjährigen und fünfjährigen Kindern die Selbstverständlichkeit des Miteinanders in Gruppen, Gemeinschaften und Unionen zu lernen.

Aber aus politischer Sicht ist das alles nicht notwendig, kann man doch plötzlich alles alles alles auf das neue Feindbild schieben, auf das Böse mit Namen. 2009 war die ansonsten namenlose Wirtschaftskrise das Ding, auf das alles geschoben wurde, was aus Unfähigkeit und/oder Korruption schief gelaufen ist. 2010 wird alles auf das Böse mit Namen geschoben werden. Und eines ist jetzt schon klar: Schuld ist Griechenland, und die Korruption in der Regierung.

Im Kafenio stellt sich aber die Frage: Die Korruption in welcher Regierung???

Ich freue mich auf alle Fälle schon auf “Go To Hellas!”, meinen Urlaub 2010 in Griechenland, und auf die netten Begegnungen mit den freundlichen und zuvorkommenden Griechen…

Kalimera / Καλημέρα,
Christoph

3 Responses to “Steigerungsstufe von Go To Hell!: Go To Hellas!

  1. volker says:


    Go to HELLAS,

    Ich kann beim besten Willen nichts sehen, was der griechische Staat anderes treibt, als der Rest der sogenannten “Völker- und Wertegemeinschaft”.
    Wenn irgendjemand unbedingt meint, er müßte auch mal kritisch werden, dann soll er es mal zur Abwechslung mit einer vernünftigen Kapitalismuskritik versuchen, mit der sich die systembedingten Krisen auch erklären lassen.
    Es ist schon hahnebüchen, was die “Wirschaftsexperten” von Spiegel,BILD, Faz, NZZ, SZ… insgesamt die “Fachleute” der bürgerlichen Journaille so von sich geben:

    Die Griechen hätten über ihre Verhältnisse gelebt. Welche Griechen denn ?
    Das bekommt “OTTONORMALVERBRAUCHER” -was die Mehrheit des Volkes im jeweiligen Völkerparadies ja ist- beim besten Willen nicht hin.
    Besagter OTTO bekommt gar nicht erst den Kredit, der solche “Völlerei” ermöglichen würde.

    Kredit bekommt “Unsere Wirtschaft” in Erwartung profitabler Geschäfte, aus denen der Staat seine Mittel zieht.
    Und Kredit genehmigt sich der Staat für seine anspruchsvollen Projekte, wie z.B. die Afghanischen Frauen vom Joch der Burka zu befreien….überflüssigen Teilen des Volkskörpers wie Arbeitslosen ein schönes Leben zu bescheren….
    Solche zynischen Heucheleien kann doch auch ein BILD-SPIEGEL etc.
    Schreiberling nicht ernsthaft glauben.
    Zur “Steuermoral”:
    Ich kenne niemand, der freiwillig den Abzug von seinem
    Lohn/Gehalt/Erwirtschafteten freiwillig zum Finanzamt trägt.
    Das weiß der Staat auch und kassiert es der Mehrheit, den sog. Lohnabhängigen von vornherein gleich ab. Die würden das Geld mit Sicherheit sofort “verprassen”, weil sie es dringend brauchen und nicht das Problem haben, die Geldmengen sicher in der Schweiz anzulegen.
    Korruption:
    In einer Welt in der die Zugriffsmacht auf alles über das Geld repräsentiert wird, dürfte es nicht wundern, wenn jedermann, gemäß der ihm zur Verfügung stehenden Mittel versucht, an das zukommen,von dem er ausgeschlossen ist.
    Die Formen in denen das stattfindet, ob Bestechung, Schwarzarbeit, Parteispende etc. sind logischerweise kein Skandal, sondern der Normalfall.
    Was soll also in Hellas anders sein ??
    Das einzige, was mir einfällt:
    Ein schönes Land und seine Bewohner ziehen offenbar nicht ganz so geduldig den Karren,auf dem die Fürsten ihre Affenkömödie vorspielen (frei nach G.Büchner)
    Die Hellenen greifen gelegentlich zu dem einzigen Mittel das sie haben und verweigern zur Warnung mal kurz ihr Mitmachen.
    Das macht sie noch sympatischer.
    Kalispera

  2. Christoph says:


    Hallo Volker,

    recht hast du. Ein schönes Land, in dem sogar die Kleinen und Unbedeutenden eine Gastfreundschaft leben, der uns hier in deutschsprachigen Gefilden fast völlig fremd ist. Allein das macht sie schon sehr sympathisch.

    Und ansonsten: Wir sind alle Europäer, wir sind alle in der Europäischen Union. Was soll denn großartig anders sein? Wärmeres Wetter und so, ja. Aber alle Unterschiede rein sozialer Natur sind zwischen Griechen und Deutschen nicht größer als zwischen Österreichern und Deutschen oder Norddeutschland und Bayern.
    Worüber schimpfen also alle, außer im Grund genommen über sich selbst?

    Ciao,
    Christoph

  3. David says:


    HELLAS!
    Endlich mal ein Bericht der aus meinem tiefsten griechischen Herzen geschrieben wurde.
    Gia mas re pedia!

    Dennoch ist auch so, wie Perikles in Athen sagte, das die Schuldabweisungen immer anderen geltend gemacht wird, statt sich selber zu kritisieren! In einigen Foren versuche ich selber daher geschriebene Kommentare zu vertiefen und einer LOGISCHEN Diskussion einen Sinn zu ergründen. Doch genau hier liegt der Hund begraben. Alle Bürger der EU sind Belletristen und Journalisten mit einem Fundus an Wissen über die Finanzwelt der Griechen geworden, das BIP kennt man auf einmal ausführlicher als der Finanzminister, sublimentär versucht man gar algorithmisch genau Prognosen über das böse Griechenland zu vermessen, Menschen zitieren Berichte von Kolumnen wo Fragwürdiger es nicht sein könnt. All dies bellastet eine Facette der Griechen immer noch und meine Frage an alle Sophisten und Gelehrten der Finanzwissenschaften in der EU:

    Wer bildet eine Regierung und die Amtsverteilungen für ein Land?
    Wer ist verantwortlich für die Finanzwelt eines Staates!
    Wie bildet sich ein BIP in einem Land?
    Wer kontrolliert das Finanzierten in einem Land?
    Sind die Bürger eines Staates für die Misere verantwortlich zu machen?

    Nach ausführlichen Antworten filtriert sich heraus, dass Griechenland (Regierung), genau den gleichen Weg geht wie ,Spanien, Italien, usw. Dennoch ist GR ein kleines Land mit wenig Export und wenig Industrie die sich absetzen kann. Was den Tatsachen entspricht, dass Modernisierungen, Sanierungen, Pflichterhaltungsprogramme von UNESCO für Weltkulturerben, Pflichtsanierungen Staatliche Eigentümer… finanziert werden müssen. Korruption ist ÜBERALL in der EU zu treffen, ja sogar in Deutschlang MEHR als genug, nur geraten sie in einem kleinem Land schneller ins Tageslicht, als in größeren Länder, wo eben Legislaturperioden vergehen können ohne die Diplomatische Immunität eine Korrupten Politikers aufheben zu müssen und zu ermitteln, dass Mill. Euros veruntreut wurden. Und wenn es aufgedeckt wird liebe Deutsche, dann gilt strickt laut Helmut Kohl: Absolutes Dementi! Denn es schaffen ja Mill. Ausländer die es ja einarbeiten können…

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