Warum ist es mal drückend heiß, und man kann gar nicht genug trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen, und ein anderes Mal, wenn das Thermometer gerade mal 1 Grad weniger zeigt, fröstelt man fast? Das Thermometer ist ein guter Anhaltspunkt, wenn man wissen will, welche Bekleidung man für den Tag wählen soll. Aber das […]

Warum ist es mal drückend heiß, und man kann gar nicht genug trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen, und ein anderes Mal, wenn das Thermometer gerade mal 1 Grad weniger zeigt, fröstelt man fast?

Das Thermometer ist ein guter Anhaltspunkt, wenn man wissen will, welche Bekleidung man für den Tag wählen soll. Aber das Maß aller Dinge ist es die gemessene Temperatur nicht. Warum denn eigentlich?

Tatsächlich nimmt jeder Mensch die ihn umgebende Luft nicht nur über deren Temperatur war. Auch einige andere Faktoren spielen hier eine entscheidende Rolle. Die Haut, über die wir einen Großteil der Sinneseindrücke der uns umgebenden Luft wahrnehmen, ist ja zugleich unser größtes Organ, ein Organ das unter anderem für den Stoffwechseln eine wesentliche Rolle spielt.

Die von den Rezeptoren in der Haut wahrgenommen Eindrücke umfassen das gesamte Spektrum vom Wärme- bzw. Hitzegefühl über Behaglichkeit bis zum Kältegefühl. Es spielt also die wahrgenommene Temperatur, die gefühlte Temperatur die eigentliche Rolle, wenn ein Thermometer etwas anzeigt, das man anders empfindet

Dabei entscheidend ist die Wärmeübertragung bzw. Energieübertragung, vom menschlichen Körper in die Umgebung, also die Luft, unsere Kleidung, und alles andere das uns in nächster Nähe umgibt.

Klar, wenn es kalt ist, ziehen wir etwas an. Damit wird weniger Energie aus unseren Körper in die Umgebung übertragen, wir frieren nicht mehr. Ebenso klar ist, dass Wind mehr Luft an unserem Körper vorbeiträgt, es sich also keine dünne, leicht erwärmte Luftschicht als Isolierung auf unserer Haut bilden kann, und somit mehr Energie abfließt, und wir wiederum frieren. Auch logisch also, dass uns heiß wird, wen die Sonne direkt auf unsere Haut strahlt, und somit die Wärmestrahlung der Sonne unseren Körper erhitzt.

Damit haben wir neben der Temperatur schon zwei weitere Faktoren bestimmt, die unser Temperaturempfinden beeinflussen: Wind, der die Luft der Umgebung bewegt, und andere Gegenstände, die heiß sind, oder auch kalt. Jeden fröstelt, wenn er im Supermarkt an den Gefriertruhen mit den kalten Sache vorbeigeht.

Der Wind unterbindet, wie bereits erwähnt, dass sich auf unsere Haut mit den kleinen Härchen, ein Luftfilm bildet, der, vom Körper bereits erwärmt, die noch kältere Umgebungsluft von uns abhält. Andere Gegenstände, mit von uns unterschiedlicher Temperatur, strahlen entweder Infrarot-Strahlung, also Wärmestrahlung, ab, die von unserem Körper absorbiert wird, oder sie Strahlen eben keine Energie ab. Und auch das nehmen wir als warm oder kalt wahr, unabhängig von der Temperatur der Umgebungsluft, die ein Thermometer misst.

Wer, nach Sport zum Beispiel, schon mal schwitzend im Wind gestanden hat, der weiß, dass auch hier ein Mensch frieren kann, während die anderen die Brise als gerade angenehm empfinden. Der Schweiß, der im Wind schneller verdunstet, als es ohne Wind der Fall wäre, entzieht beim Übergang von der flüssigen Form – Schweiß – in die gasförmige Form – Wasserdampf – seiner unmittelbaren Umgebung Energie, lässt diese also abkühlen. Darum beginnt der Körper ja zu schwitzen, wenn er durch Anstrengung erhitzt wird.

Das gleiche Phänomen führt übrigens auch dazu, dass man im Herbst bei plus 3 Grade manchmal Eis vom Auto kratzen muss: Der niedergeschlagene Tau wird durch den Wind schneller verdunstet, und kühlt dabei so ab, dass der Rest zu frieren beginnt.

Warum aber verdunst Wasser bei Wind schneller? Das hängt mit der Luftfeuchtigkeit zusammen. Ist bereits viel Feuchtigkeit in der Luft, kann weniger weiteres Wasser verdampfen. Und Wind transportiert eben das bereits verdunstete Wasser von der Haut ab, und ermöglicht damit schnellere Verdunstung. Ganz klar: die heiße Luft aus dem Fön trocknet die Haare recht schnell, während ein Handtuch, das im Nebel hängt, wohl eher zu Schimmeln beginnt, als das es trocken wird.

Da die Haut als Stoffwechselorgan ständig Feuchtigkeit ausscheidet, auch wenn man gerade gar nicht schwitzt, spielt die Verdunstungsrate somit auch eine große Rolle, wenn es um die Wahrnehmung der Temperatur geht. Es ist jetzt also auch klar, warum man schwüles Wetter, mit hoher Luftfeuchtigkeit, belastender empfindet, als trockenes Hochdruckwetter.


Bei all den physikalischen Faktoren, die man mit genügend Aufwand ja alle messen könnte, bleiben trotzdem noch die ganz persönlichen, individuellen Faktoren über, die das Temperaturempfinden beeinflussen.

Ein nicht unwesentlicher Teil davon ist die Psyche: Ist ein Fenster offen, so zieht es, und viele werden dadurch automatisch Empfindungen des Fröstelns haben. Sehr trockene und windige 38 Grad in der Ägäis sind der Theorie und den Erfahrungen zufolge leichter erträglich, als schwüle 28 Grad an der nördlichen Adria. Und trotzdem werden viele erst gar nicht diese Erfahrung, weil sie nie die knapp 40 Grad haben wollen, wenn doch knapp 30 Grad schon so belastend sind…



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