Alle Jahr wieder machen Schlagzeilen aus den beliebtesten Urlaubsregionen die Runde: Traumstrände sind wegen unzähliger Quallen im sauberen Wasser nicht benutzbar.

Es werden zwei Faktoren für die Quallenplage der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Zum einen hat sich das Mittelmeer in den vergangenen fünf Jahrzehnten im Jahresschnitt um ein Grad erhöht. Die Quallen sind zwar selbst nicht auf das wärmere Wasser angewiesen, allerdings begünstigt die erhöhte Temperatur in Verbindung mit der Überdüngung durch Stickstoff und Phosphate die Vermehrung von Plankton, was ja die Nahrungsversorgung der Quallen sicherstellt. Zum anderen sind durch die totale Überfischung des Mittelmeeres die natürlichen Fressfeinde der Quallen extrem reduziert worden.

Wie ja fast schon jeden Sommer in den vergangenen Jahren tauchen in den Medien immer wieder Berichte über die gefürchtete Quallenplage auf. Manche Strände sollen unbenutzbar, oder sogar gesperrt, sein, und viele hundert Touristen sollen verletzt worden sein. Was ist aber dran an dieser Berichterstattung, und, wenn stimmt was berichtet wird, ist das eine Auswirkung des Klimawandels oder der Umweltverschmutzung?

Die Berichterstattung

Die Berichterstattung kann zusammenfassend als sehr gut bezeichnet werden. Es sind tatsächlich ganze Küstenabschnitte phasenweise für Badende nicht benutzbar, da es im Wasser nur so vor Quallen wimmelt. Bis zu 10 Quallen durchschnittlich auf einem Quadratmeter Meeresfläche in Strandnähe sind gezählt worden. Und es mussten auch schon hunderte Menschen wegen Kontakt mit den Nesseltieren zum Arzt, um sich kühlende und schmerzstillende Salben zu holen.

Und abhängig von der Art der Qualle, also davon wie stark nesselnd ihre Tentakeln sind, und somit wie groß das Verletzungsrisiko ist, müssen sogar tageweise manche Strände gesperrt werden. “Das ist ungefähr so wie Plastikmüll”, meint Chisco Alemany, stellvertretender Direktor des Ozeanographischen Labors in Palma. “Heute ist ein Strand sauber und morgen völlig zugemüllt. Wann aber welcher Strand mit einem Quallenteppich überzogen wird, ist nicht vorhersehbar.”

Wenn an einem Strand ein solcher Quallenteppich angespült wird, kann sich ganz schnell am Wasserrand ein breiter, viele Zentimeter dicker Streifen aus toten Quallen bilden. Die Nesselzellen der toten Tiere sind aber noch lange aktiv, es geht also auch von toten Tieren noch teils erhebliche Verletzungsgefahr aus.

Im prallen Sonnenschein kann dieser Streifen aus toten Quallen dann leider sehr schnell eine massive Geruchsbelastung für den gesamten Strandabschnitt werden. Auch wenn die jeweiligen Betreiber der Strände sehr schnell mit den Aufräumarbeiten beginnen, kann das Strandvergnügen – an Baden ist ja wohl in solchen Situationen ohnehin nicht zu denken – sehr darunter leiden.

In Spanien haben Fischer damit begonnen die Quallen bereits vor dem Strand mit Netzen aus dem Wasser zu fischen. Das kann jedoch nur als Beweis des guten Willens den Urlaubern gegenüber gewertet werden, wenn die Strömung gerade ungünstig für den Strand steht können viele Millionen Tiere angetrieben werden. Dagegen sind auch die Fischer machtlos.

Wie kommt es zur Quallen-Plage?

Es werden zwei Faktoren für die Quallenplage der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Zum einen hat sich das Mittelmeer in den vergangenen fünf Jahrzehnten im Jahresschnitt um ein Grad erhöht. Die Quallen sind zwar selbst nicht auf das wärmere Wasser angewiesen, allerdings begünstigt die erhöhte Temperatur in Verbindung mit der Überdüngung durch Stickstoff und Phosphate die Vermehrung von Plankton, was ja die Nahrungsversorgung der Quallen sicherstellt.

Zum anderen sind durch die totale Überfischung des Mittelmeeres die natürlichen Fressfeinde der Quallen extrem reduziert worden. Wasserschildkröten und Thunfische sind im Mittelmeer an den Rand des Aussterbens gedrängt worden. Sie ernähren sich aber zu einem guten Teil von Quallen oder den “Quallen-Larven”, also den Polypen, die im ersten Entwicklungsstadium der Quallen noch am Boden festsitzen.

Welche Quallenarten bilden diese Schwärme?

Die im Mittelmeer auftretenden Schwärme von Quallen bestehen zumeist aus Feuerquallen, oder auch Leuchtquallen genannt. Näheres zur Feuerqualle ist im Wikipedia-Artikel zur Pelagia noctiluca zu finden. Die Nesselkapseln der Fangtentakel der Feuerquallen durchdringen die menschliche Haut. Durch das Nesselgift werden stechende Schmerzen ausgelöst (etwa doppelt so intensiv wie das Gift der Brennnessel) und es bilden sich Bläschen die oft erst nach zwei bis vier Wochen abheilen.

Manchmal treten auch Schwärme von Ohrenquallen auf. Die Ohrenquallen haben weit weniger starkes Gift in ihren Nesselzellen, oft wird eine Berührung mit einer Ohrenqualle nicht einmal wahrgenommen. Und eher selten bilden sich Schwärme von Kompassquallen. Kompassquallen sind aus Sicht der Intensität der Nesselzellen und des Nesselgiftes zwischen Feuerqualle und Ohrenqualle einzustufen.

Im Mittelmeer kann – zum Glück nicht in Schwärmen, sondern nur als Einzelexemplare – auch die Portugiesische Galeere auftreten. Ihre Tentakel werden bis zu 5 Meter lang, und ihr Gift ist so stark, dass es sogar Menschen töten kann. Das Tier ist eigentlich keine “richtige” Qualle, sondern eine Polypenkolonie, deren Einzeltiere sich zu einem “Staat” verbunden haben.

Was tun nach Kontakt mit einer Qualle?

Innerhalb von nur wenigen Sekunden können Berührungen mit Quallen zu schmerzhaftem Brennen und Fieber führen, manchmal sogar zum Schock. Die Bandbreite der Symptome reicht von

  • Schmerzen, Juckreiz und Nesselsucht
  • Übelkeit und Kreislaufproblemen
  • bis hin zur Atemlähmung.

Meist erwischt es die Badenden im Wasser, denn Quallen sind nur schlecht zu sehen. Wenn man den brennenden Schmerz spürt, sollte man zumindest in Europa nicht in Panik verfallen, denn hier sind die Quallen nicht lebensbedrohlich. Man sollte allerdings sofort das Wasser verlassen und die Verletzungen untersuchen.

Nach einem Kontakt mit der Qualle sitzen noch zahlreiche ungeplatzte Nesselkapseln auf der Haut. Auf keinen Fall darf man mit der Hand die Hautstellen reiben, dadurch würden diese Nesselkapseln platzen, und sowohl die Hand als auch die schon betroffenen Körperpartie weiter verletzen.

Noch am Strand, wenn man keinen Essig dabei hat, ist es sinnvoll, die Haut erst an der Luft trocknen zu lassen und dann mit trockenem Sand abzureiben – doch Vorsicht bei den Händen, denn die Nesselkapseln können auch die Handflächen verbrennen. Sollte man Essig, oder Zitrone, zur Verfügung haben, kann man mit einem getränkten Lappen die Hautstellen vorsichtig abreiben. Eine Antihistamin-Salbe, wie man sie auch bei Insektenstichen einsetzt, kühlt. Bei sehr großflächigen Verbrennungen sollte man zum Arzt gehen. Auch in Apotheken sind meist recht unkompliziert lindernde Salben oder Tinkturen erhältlich.

Quallenplage in Griechenland

Bisher ist Griechenland von der Quallenplage verschont geblieben. Außer gelegentlichen Sichtungen von Quallen, bis hin zu Portugiesischen Galeeren, sorgt die im Normalfall durch den Meltemi recht starke Meeresströmung für das Ausbleiben von Ansammlungen von Millionen von Quallen.

Die Schwärme von Quallen treten bisher nur im westlichen Mittelmeer und in der Adria auf. Auch die afrikanische Mittelmeerküste läuft beim Ausbleiben des Scirocco Gefahr, von den Quallen heimgesucht zu werden. Mit der zunehmenden Erwärmung der Gewässer ist aber zu befürchten, dass auch bald griechische Strände von der Plage betroffen sein könnten.

Update: Von Christine und Andreas habe ich einen Bericht erhalten, wonach es in Griechenland sehr wohl zu Problemen kommen kann. Zum einen gibt es natürlich auch Häufungen der Feuerquallen, wobei nach dem Kontakt mit einem solchen Tier, wohl der Trost nur sehr schwach ist, dass in Griechenland keine Schwärme, aber Häufungen solcher Tiere zu beobachten sind.

Und Christine und Andreas haben weiters berichtet, dass es sehr wohl echte Schwärme der ungefährlichen Ohrenquallen aufgetreten sind. Diese Tiere haben zwar nicht genesselt, und waren mehr Spielzeug für Kinder, aber das Badevergnügen ist natürlich stark eingeschränkt, wenn man ständig an etwas glibbrigen ankommt.

Diese Schwärme oer Anhäufungen sind bisher für Griechenland untypisch gewesen, aber durch die globale Erwärmung und Umweltverschmutzung wird wohl auch in Zukunft häufiger damit zu rechnen sein.




Auch das Magazin National Geographic hat bereits über die Quallenplage berichtet:


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