Nachdem es ja mehrmals jedes Jahr zu Erdbeben und auch Seebeben in Griechenland kommt (siehe auch hier auf kafenio.eu unter Erdbeben in Griechenland), stellt sich natürlich nach den Ereignissen Ende 2004 die Frage, ob auch Griechenland in Gefahr ist, einen Tsunami zu erleben. Aber zunächst mal ganz kurz dazu was ein Tsunami ist, und wie […]

Nachdem es ja mehrmals jedes Jahr zu Erdbeben und auch Seebeben in Griechenland kommt (siehe auch hier auf kafenio.eu unter Erdbeben in Griechenland), stellt sich natürlich nach den Ereignissen Ende 2004 die Frage, ob auch Griechenland in Gefahr ist, einen Tsunami zu erleben.

Aber zunächst mal ganz kurz dazu was ein Tsunami ist, und wie er entsteht. Wikipedia definiert einen Tsunami als eine sich schnell fortpflanzende Meereswoge, die überwiegend durch Erdbeben auf dem Meeresgrund ausgelöst wird. Der Name kommt aus dem Japanischen, und heißt so viel wie Hafenwelle, also eine Welle die die Fischer auf See gar nicht bemerken, aber wenn sie heimkommen, finden sie den Hafen völlig verwüstet und zerstört vor.

Nicht jedes Seebeben lässt einen Tsunami entstehen. Das liegt daran, dass sich der Seeboden während des Bebens heben und senken muss, also eine vertikale Bewegung durchführen muss, um eine Welle entstehen zu lassen. Horizontale Bewegungen des Meeresbodens verschieben lediglich den Boden unterhalb des Wassers.

Das kann jeder daheim in der Badewanne selber ausprobieren: Die flache Hand, parallel zur Wasseroberfläche unter Wasser halten, dann horizontal die Hand hin und her bewegen. Es passiert nichts, abgesehen von den Wellen die der Unterarm, an dem die Hand ja befestigt ist, schlägt. Nun die flache Hand vertikal bewegen, also von oben nach unten und zurück, aber dabei die Hand nicht aus dem Wasser heben. Und siehe da, Sie haben in der heimischen Badewanne erfolgreich einen Tsunami simuliert.

Aber die vertikale Bewegung bei einem Seebeben alleine reicht noch nicht aus um sofort einen Tsunami zu erzeugen. So hat in den letzten ca. 150 Jahren, in denen genaue Aufzeichnungen existieren, nur ca. ein Prozent der Erdbeben einen messbaren Tsunami verursacht.

Ein Erdbeben kann dann einen Tsunami entstehen lassen, wenn:

  1. Das Beben muss sein Epizentrum im Meer haben.
  2. Das Beben muss stark genug sein. Ab einer Stärke von 7 auf der Richterskala kann es hinsichtlich Tsunamigefahr ernst werden.
  3. Das Zentrum des Bebens muss nahe der Oberfläche liegen. Nur dann können wird genug unmittelbare Energie in schnellen Bewegungen des Bodens freigesetzt werden
  4. Und, wie bereits zuvor demonstriert, muss die Bewegung des Meeresbodens in vertikaler Richtung erfolgen.

Besonders von Tsunamis bedroht ist das östliche Mittelmeer. Betroffen wären damit Griechenland, Süditalien, die Türkei, und Gebiete ostwärts von Sizilien bis zur Nordküste Afrikas. In diesen Gebieten finden sich auch die Zeugen längst vergessener Tsunamis, also Ablagerungen im Gestein.

Demnach ist im Mittelmeer im statistischen Schnitt jedes Jahrhundert mit einem verheerenden Tsunami zu rechnen. Und ungefähr 10% aller Tsunamis weltweit ereignen sich im Mittelmeer.



Was sind die letzten Tsunami-Katastrophen, die Griechenland mit seinen Urlaubs-Stränden betroffen haben?

  1. Am 9. Juli 1956 hat nach einem Seebeben in der Ägäis ein Tsunami in den Kykladen an der Südwestküste Amorgos große Zerstörungen angerichtet, und 53 Menschen getötet. Auf den anderen Inseln der Kykladen hat der Tsunami kine nennenswerten Schäden angerichtet.
  2. 1672 wurden die Kykladen, insbesondere Santorin, von einem schweren Beben heimgesucht. Die Insel Kos im Osten wurde Berichten zufolge verheerend überflutet.
  3. Am 26. September 1650 hat ein unterirdischer Vulkanausbruch nördlich von Santorin einen Tsunami ausgelöst, der die Küstenstriche der Kykladeninsel verwüstete. Wiederum scheinen die umliegenden Inseln der Kykladen vom großen Wasser erschont geblieben zu sein.
  4. 1303 zerstörte ein Erdbeben Rhodos, Karpathos und Ostkreta. Die entstandene Flutwelle wurde noch in Ägypten registriert.
  5. 365 hat ein Tsunami nach einem Erdbeben bei Kreta den ganzen östlichen Mittelmeerraum verwüstet.
  6. 1628 v.Chr. löste ein gewaltiger Vulkanausbruch auf Santorin bis zu 60m hohe Flutwellen aus, die unter anderem die Minoische Kultur auf Kreta auslöschten.

Sollte man Griechenland jetzt also besser meiden? Ja. Dann hab ich endlich die Strände für mich alleine, was ich sehr begrüssen würde. :-)

Aus Sicht der Gefährdung durch Tsunamis ist es allerdings nicht nötig Griechenland zu meiden. Katastrophen können immer passieren, aber die weltweiten Tsunami-Frühwarnsysteme sind inzwischen sehr gut ausgebaut.

Griechenland ist zudem zumeist sehr gebirgig oder zumindest hügelig. Damit hat man also auf jeder noch so kleinen Insel genügend Rückzugsmöglichkeiten, wo man sich raschest 15 oder 20 Höhenmeter in Sicherheit bringen kann. Ein Vulkanausbruch, mit einer Heftigkeit, die bis zu 60m hohe Wellen entstehen lässt, ist durch die moderne Vulkanforschung heutzutage auch sicher vorherzusagen.



Leave a Reply

You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*


Valid XHTML 1.0 Transitional Valid CSS!