Im Mittelmeer gibt es doch einige für die jeweilige Region recht typische Winde, die sehr bekannte Namen aus den jeweiligen Landessprachen haben. Die Kartenübersicht unten listet die meisten der benannten Winde auf, aber es ist natürlich keine vollständige Liste. Der Meltemi, oder früher auch Etesien genannte Wind in der Ägäis, ist ja in einem eigenen […]

Im Mittelmeer gibt es doch einige für die jeweilige Region recht typische Winde, die sehr bekannte Namen aus den jeweiligen Landessprachen haben. Die Kartenübersicht unten listet die meisten der benannten Winde auf, aber es ist natürlich keine vollständige Liste.

Der Meltemi, oder früher auch Etesien genannte Wind in der Ägäis, ist ja in einem eigenen Beitrag beschrieben worden:

Im folgenden werden hier die wichtigsten und bekanntesten Winde des Mittelmeeres ein wenig vorgestellt, und ihre typischen Charakteristika erläutert.

Der Mistral

Der Mistral ist der NW-Wind in der Provence. Die Provenzalen kennen 32 Winde aus allen Himmelsrichtungen und der Mistral ist der direkt aus NW wehende Wind. Er kann zuerst recht sanft und durch die Landmasse noch aufgewärmt und deshalb warm wehen. Nach einigen Stunden oder gar Tagen kann er ein starker bis sehr starker Wind werden, der aus nordwestlicher Richtung über Frankreich in den Mittelmeerraum weht. Typisch ist dann ein wolkenloser, dunkelblauer Himmel, gute Fernsicht, nachts ein beeindruckender Sternenhimmel und ein erheblicher Abfall der Temperatur. Er kann tagelang wehen und tritt so häufig auf, dass die Bäume im Rhonetal oft in Windrichtung nach Süden hin gebogen sind.

Er entsteht durch in den Mittelmeerraum einströmende Polarluft. Die Alpen und Pyrenäen bilden eine Blockade, so dass zwischen diesen Gebirgen die kalte Polarluft ins Rhônetal gelangt. Durch diese Kanalisierung (Düseneffekt) entstehen dort hohe Windgeschwindigkeiten von 50 – 75 km/h, in Spitzen über 135 km/h. Außerdem ist der Mistral sehr trocken und entzieht dem Boden Feuchtigkeit, was die Waldbrandgefahr in der Provence erheblich erhöht.

Die typische Mistralwetterlage wird geprägt von hohem Luftdruck über der Biscaya und einem Tiefdruckgebiet über Italien. Diese Lage stellt sich häufig in Verbindung mit Kaltlufteinbrüchen aus Norden ein, deren Hauptstoßrichtung über Großbritannien bis in den nordwestlichen Mittelmeerraum verläuft. Dort trifft die Kaltluft auf wärmere Mittelmeerluft. Dies bietet günstige Voraussetzungen für die Entstehung eines Tiefdruckwirbels nicht weit weg von Genua.

Die Bora

Die Bora (griechisch μπόρα, „kalter Windstoß“, „kalter Regenguss“, von Boréas, wörtlich „der Nördliche“) ist ein trockener, kalter und böiger Fallwind an der kroatischen und montenegrinischen Adriaküste. Winde vom Bora-Typ gehören mit ihrer Häufigkeit und ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten, vor allem an der Nordwest-Küste Kroatiens sowie Montenegros zu den stärksten der Welt.

Mitgebracht werden sie von aus dem Polargebiet wandernden, starken Kaltluftausbrüchen, die am Boden als nördliche oder nordöstliche Windströmungen zum adriatischen Küstengebiet in Erscheinung treten. Die regionale Beschränkung wird durch die topographischen Bedingungen vorgegeben. Als Randerscheinung des Hochdruckgebiets über Zentralasien ist die Form des Kaltluftabflusses mit der Gebirgsumrahmung im Adriabeckens durch die Dinariden eng verbunden.

Die Bora ist sehr stürmisch und böig, wobei die Böen in Einzelfällen bis zu 200 km/h erreichen. Die Bora bläst vorwiegend im Winter. Im Sommer dauert sie einen Tag oder einige Stunden, während sie im Winter bis zu 14 Tage wehen kann. Vorherrschende Windrichtung ist aus Ost-Nordost. Die einschneidenste Wirkung erreicht die Bora, wenn sehr kalte Kontinentalluft oder gealterte Polarluft die Adria erreicht. Die kalte Luft über den Karsttälern Kroatiens stürzt dann als Fallwind durch die Gassen der Karstgebirge herunter.

Der Scirocco

Der Scirocco ist ein heißer Wind aus südlichen bis süd-östlichen Richtungen, der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht. Er ist ein gleichmäßiger heißer Wüstenwind, der oft im Frühjahr, frühem Sommer und Herbst weht.

Er entsteht durch die Temperaturdifferenz zwischen kühlen Tiefdruckgebieten in Nordafrika und der heißen Luft über der Sahara. Je größer der Temperaturunterschied ist, desto stärker wird der Scirocco. Wegen seiner Entstehung über der Wüste führt der Scirocco große Mengen Sandstaub mit sich, wodurch die Luft eine gelblich-graue Färbung bekommt. Die Sichtweite kann dabei auf unter einen Kilometer sinken und der Sturm den Charakter eines Sandsturms annehmen.

Der Scirocco ist über Afrika trocken, nimmt aber über dem Mittelmeer Feuchtigkeit auf, die unter Umständen in den europäischen Mittelmeerländern abregnet.

Der mitgeführte Sand lagert sich auch auf alpinen Gletschern ab, was zu einer sichtbaren Braunfärbung der Schneeoberfläche und somit zur Verringerung der Albedo (Rückstrahlkraft) und zu einer verstärkten Ablation führt. Allerdings wäre es ein Trugschluss, den Scirocco für den Rückgang der europäischen Gletscher verantwortlich zu machen, da ja diese Schichten auch wieder mit weißem Schnee bedeckt werden können (Akkumulation) und auch andere Faktoren miteinfließen. Die abgelagerten Stäube können durch Eisbohrkerne wiedergewonnen werden und so Aufschluss über die klimatischen Verhältnisse der letzten Jahrhunderte geben.

In Griechenland wird der Wind aus dem Süden, der vor allem die Südküste Kretas mit sehr hohem Seegang treffen kann, Sirkos genannt.



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